18. Juli 2013, von Anne

Alp-Alltag

Sonnenaufgang überm Pragelpass

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

 

Schon wieder sind vierzehn Tage vergangen – wo bleibt nur die Zeit? An der wachsenden Zahl der jungen Käselaibe kann ich sehen, dass auch dieser Alpsommer unaufhaltsam voranschreitet.  Und auch der Sonnenstand bei Sonnenaufgang verrät mir, dass bald die Hälfte der Alpzeit herum ist. Heute morgen ging die Sonne ein Stück rechts von der Pragepasshöhe auf – Anfang Alpzeit erscheint sie weit links davon entfernt und wandert im Laufe des Sommers von Morgen zu Morgen ein Stück weiter nach rechts, um irgendwann hinter der Twärenen zu verschwinden und später aufzugehen. Dann beginnen Markus und ich unser Tagwerk im Dunkeln. Doch bis dahin sind es noch einige Wochen und zur Zeit geht die Sonne auf, wenn ich in der Käserei beginne.

 

Wir sind zu Dritt

Derzeit haben wir eine sehr komfortable Situation – wir arbeiten seit Anfang Juli zu Dritt auf der Rotmatt. Diesen Monat hilft uns ein Praktikant, Lorand aus Siebenbürgen (Rumänien), der im Rahmen eines schweizerischen Landwirtschafts-Hilfsprojektes bei uns lernen will, wie Alpwirtschaft und Käsemachen funktionieren, um dann sein Wissen bei sich zu Hause einzusetzen und als Multiplikator zu agieren. Und weil Lorand auch melken lernt, habe ich melkfrei und kann morgens etwas länger schlafen – juchhu! Seit einer Woche unterstützt mich Lorand tatkräftig in der Käserei und übernimmt zunehmend mehr Fabrikationsschritte – ich werde wohl noch arbeitslos… Im Ernst, es ist gar nicht so einfach, einem anderen in so kurzer Zeit möglichst viel von dem beizubringen, was für guten Käse wichtig ist, noch dazu jemandem, für den Deutsch eine Fremdsprache ist. Aber wir machen gute Fortschritte und ich hoffe, Lorand kann eine Menge Wissen mitnehmen.

 

Heuen und Güllnen

Ansonsten haben wir das sonnige Wetter zum Heuen genutzt und alle Flächen auf der Alp, auf denen Heu gemacht wird, sind nun sauber gemäht, leer gerecht und das Heu trocken eingebracht. Wie das duftet! Es ist zwar eine ziemliche Schufterei (und nicht meine Lieblingsarbeit), aber wenn ich den vollen Heuschober sehe und im Winter die Fresslust unserer Kühe beobachten kann, dann freue ich mich auch und die schweisstreibende Arbeit ist vergessen.

Nach dem Heuen kommt das Güllnen – auf die Weiden, die von den Kühen abgefressen und die Flächen, die geheut wurden, wird bei entsprechender Witterung (nicht zu sonnig, Aussicht auf Regen – die Gülle soll erst antrocknen und die Nährstoffe später zu den Wurzeln gespült werden) Hofdünger ausgebracht. Dem geht ein Schwerarbeit voraus – der reife, nasse, schwere Mist muss Gabel für Gabel in der Güllegrube versenkt werden, wo er mittels Rührwerk mit der Jauche vermengt wird. Eine wahre Männerarbeit…

 

Weidepflege

Neben Heuen und Güllnen gibt uns auch die

Unsere Damen im jungen Gras

Weidepflege viel Arbeit, denn auf den Weiden wachsen nicht nur Milchkräuter, Gräser und Blumen, sondern auch Disteln, Farn, Blacken (Ampfer) und Alpenkreuzkraut. Und wenn wir diese nicht in Schach halten würden (mechanische und chemische Bekämpfung), hätten unsere Kühe irgendwann nichts mehr zu fressen, dass Kessi wäre leer und die Rotmatt würde verganden. Und weil wir das nicht wollen, bearbeiten wir im Laufe des Sommers hektarweise Weide: Disteln ausreissen, Farn abschneiden, Blacken und Kreuzkraut spritzen.

 

Zum Heuen, Güllnen und Weidepflegen kommen viele fleissige Helfer aus dem Tal auf die Rotmatt, ohne die all das gar nicht zu schaffen wäre. Herzlichen Dank an Euch alle!

 

Der Wetterbericht hat heute weitere sonnige Sommertage verkündet. Schön für meinen Garten, schlecht für den Käsekeller. Unser Naturkeller wärmt sich wie alles um ihn herum zunehmend auf. Noch ist der kritische Wert für die Käse nicht erreicht und ich versuche, die Nachtkühle zu nutzen, um die Kellertemperatur zu senken. Hoffentlich hilfts!

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit.

 

Herzliche Grüsse von

 

Anne

 

Kategorien: Blog Hintere Rotmatt | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Liebe Anne,
    danke für Deine Grüße. Meinen Garten lasse ich nun für 10 Tage in Christians Händen, da wir uns ja schottische Gärten ansehen wollten. Hier heißt es nur “Wasser marsch”, es ist sehr heiß und der Wind tut sei Übriges. Aber alles halb so schlimm, ich habe alle Kulturen gemulcht, sie werden es mal ohne mich aushalten!
    Weiterhin gutes Gelingen in der Käserei und überhaupt eine schöne Zeit für Euch!
    Liebe Grüße von Rose + “Anhang”

  2. Liebe Rose,
    nun sind Eure Ferien wohl schon herum? Ich hoffe, Ihr hattet schöne Tage und daheim blieb alles im Lot. Auch bei uns ist es heiss und trocken, aber immer wieder mit starken Regenfällen dazwischen, so dass ich im Garten kaum giessen musste. Dort wächst und gedeiht es zu meiner grossen Freude, wenn auch weniger üppig als im Tal. Eine gute Spätsommerzeit wünscht Dir herzlich Anne

  3. Liebe Anne, es ist toll wie einfühlsam Du die Landschaft und Euer Tun beschreibst. Trotz Arbeit und Schweiß scheint es ja doch auch ein kleiner Garten Eden zu sein. Nach der Holzernte beginnt jetzt die Jagdernte und so neigt sich das Jahr dem Ende zu, wieder eins mehr aber es ist auch gut so, wir können nichts festhalten.
    Herzliche Grüße aus dem Wald und Euch gute Milch, guten Käse, einen gesunden Rücken und Freude im Herzen!
    Alles Gute wünscht Dir und Markus Thomas

  4. Lieber Thomas, herzlichen Dank für Deine Grüsse und Wünsche, über die ich mich freue. Auch hier ist Jagdzeit und auf der Alp muss die ein oder andere Gemse dran glauben. Auch Hirsche und Rehe werden geschossen und das mitten am Tag! Sonst geht es uns gut, der Käse gedeiht, doch wenn die Zeit dann rum ist, bin ich auch nicht traurig, es reicht für dieses Jahr.

    Alles Gute für Deine Ernten und überhaupt. Herzliche Grüsse von Anne