23. Juli 2013, von Corina

Vollmondnacht

Es ist vier Uhr morgens. In der Käserei schepperts, Reto putzt wohl noch die restlichen Käseformen. Ich ziehe eine Jacke über, gehe in den Kuhstall, öffne die beiden Fronttore und knipse den Aussenscheinwerfer an. Der Wind weht leicht. Von unserem Vorplatz blicke ich hinunter nach Pfäfers, nur wenige Lichter brennen. Das ganze Tal scheint noch zu schlafen. Der Mond steht hoch über dem Calandagebirge, voll und rund. Die Gebirgszüge zeichnen sich silbern gegenüber dem dunklen Himmel ab. Ich sehe den grossen Waagen oder ist es der kleine? Schon wieder vergessen.

 

Nun folge ich dem Weg in Richtung Vättnerberg zur Weide, auf der unsere Ladys die Nacht verbracht haben. Nach einer Wegbiegung verschwinden unsere Gebäude und mit ihnen auch das Scheinwerferlicht. Auch egal, der Mond scheint so kräftig, dass ich sogar meine Stirnlampe ausschalten kann. Leise erklingen Hirtenrufe, ich schaue auf die andere Talseite. Dort drüben liegt die Kuhalp Salaz und bei gutem Wetter hört man die Hirten bis zu uns, sogar leises Glockengeläut ist zu vernehmen. Nun sieht man eine kleine Lampe, das muss der Hirt auf der Suche nach seinen Kühen sein.

 

Noch wenige Meter, dann bin ich am Weideeingang angekommen. Stille. Schlafen unsere Ladys noch? Ich atme die frische Morgenluft noch einmal tief ein, ein neuer Morgen steht vor uns, es wird ein schöner Tag, da bin ich mir sicher. In einer Senke sehe ich unsere Ladys. Meine Stimme zerreist die morgendliche Ruhe: “Chum Busle, chum sesese”. Drei Mal rufe ich, dann mache ich eine kurze Pause und schon stehen unsere Vierbeiner gemütlich auf, ihre Weidschellen beginnen zu klingen, eine nach der anderen gesellt sich dazu.

 

Ohne Hast schlendern unsere Ladys und der Muni zum Weidweg in Richtung Stall. Einige wenige liegen noch immer. Ich gehe zu ihnen: “Chum Busle gömer go melche”. Nach den morgendlichen Streicheleinheit steht auch die letzte Lady auf, immer dieselbe, ist ja klar. Schon bald erblicke ich den Stall, Reto holt gerade Meieli hinein. Sie hat Angst über den Rost zu gehen. Nach einigen aufmunternden Worten wagt sie sich dann doch an ihren Platz. Ich begebe mich auf die andere Stallseite und beginne damit, die schon am richtigen Ort stehenden Ladys anzubinden. Das nächste Mal, wenn ich aus dem Stall kommen werde, wird der Mond schon lange verschwunden sein und die Sonne mich empfangen…

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