29. Juli 2013, von Corina

Was alles passieren kann

 

 

Unser Alpsommer auf Findels verläuft immer noch bestens. Was mich besonders freut, unsere Lady’s sind bei guter Gesundheit. Hoffen wir, dass es auch so bleiben wird. Auf einer Alp kann sehr vieles mit den Kühen passieren. Verletzungen, Abstürze, Krankheiten ect. können den Alltag für Mensch und Tier drastisch erschweren.

 

 

Wie gesagt, diesen Sommer läuft bisher halles sehr gut, doch letzten Sommer war das ganz anders…um euch einen Einblick zu geben, was alles passieren kann, erzähle ich euch also von unseren Erfahrungen des Alpsommers 2012.

 

 

2. Alpwoche

Unsere Lady Leila kommt kugelrund in den Stall, kann nur noch schwer atmen, sie sieht aus wie aufgebläht. Wir vermuten, sie hat sich mit irgendeiner Pflanze vergiftet und leidet nun an einer Pansenblähung (Pansen = Magen der Kuh). Mit kohlensäurehaltigen Getränken versuchen wir sie zum Rülpsen zu bringen. Nichts geschieht. Das Atmen fällt Leila immer schwerer. Wir holen morgens um 4.30 Uhr den Tierarzt  aus dem Bett (der hatte gar keine Freude). Viel machen kann er auch nicht, er wird im Laufe des Morgens zu uns kommen. Doch so lange will Leila nicht warten, schon liegt sie auf dem Rücken und hechelt nur noch. Wir schwitzen Blut und bemühen uns, dem Tier zu helfen. Schliesslich spritze ich ihr ein Schmerzmittel. Prombt steht Leila 5 min später auf den Beinen. Es geht ihr sichtlich besser, uns ebenfalls. Bis 9.00 Uhr müssen wir auf den Tierarzt warten. Er diagnostiziert einen Gebärmutterüberwurf. Das bedeutet, das Kalb in der Kuh hat sich mitsamt der Gebärmutter um die eigene Achse gedreht. Dies schnürt der Kuh den ganzen Verdauungstrakt ab. Wir konnten ihr nicht mehr helfen, Leila wird noch an Ort und Stelle eingeschläfert.

 

Klauengeschwüre

Ausschneiden eines Klauengeschwürs

Dick eingebunden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch Fehlbelastungen kann es zu Geschwüren an den Klauen kommen. Letztes Jahr hatten wir drei solche Kühe. Die Geschwüre müssen ausgeschnitten werden. Anschliessend wird an die gesunde Klaue ein Klotz geleimt, somit kann die kranke Klaue entlastet werden. Salbe und ein dicker Verband schützen die offene Wunde vor weiteren Infektionen und beschleunigen den Heilungsprozess. Dieses Jahr hatte Lady Arnika ein Geschwür. Sie hat sich aber sehr gut erholt, jetzt springt sie wieder munter auf der Weide umher.

 

Panaritium

Der linke Klaue ist angeschwollen

Der Horror eines jeden Älplers. Panaritium ist eine Infektionskrankheit der Klauen. Vor allem bei feuchtem und nassem Wetter haben wir Probleme damit, da dann die Krankheit über Schlamm sehr gut und schnell verbreitet werden kann. Die betroffene Klaue schwillt an und wird heiss. Innerhalb weniger Stunden schmerzt die Klaue so sehr, dass die Kühe humpeln und die kranke Klaue nicht mehr belasten wollen. Daher ist es wichtig, dass wir sofort erkennen, wenn eine unserer Lady’s daran leidet. Bei schlechtem Wetter kontrollieren wir jede Kuh einzeln sobald sie im Stall stehen. Beim kleinsten Anzeichen werden die Tiere behandelt.

 

Absturz

Hier stürzte Alma in die Tiefe

Etwas vom Schlimmsten, dass passieren kann, vor allem, wenn man ohne Handlungsmöglichkeiten zusehen muss, wie eine Kuh abstürzt. Letzten Sommer rutschte Lady Alma auf dem nassen Boden aus und stürzte gut 50m in die Tiefe, sie war sofort im Kuhhimmel. Ja das war im August 2012, ich war völlig am Boden. Es war unser erster Sommer, die psychische Belastung war enorm, wir hatten so viele kranke Tiere, der mangelnde Schlaf machte uns zu schaffen und nun auch das noch.

 

Ich war völlig am Ende…alleine lief ich zur Absturzstelle, man sah gut, wo Alma ausgerutscht war. Und dann, die ganze Erschöpfung, der ganze aufgestaute Frust, alles kam einfach so über mich. Ich konnte nicht mehr, die Tränen flossen nur noch. Ein Landwirt vertraut seine Tiere mir als Küherin im Frühling an und das einzige das er will, ist im Herbst seine Kühe gesund und gut ernährt wieder nach Hause nehmen zu können. Und nun war Alma tod, ich fühlte mich als Versager auf der ganzen Linie.

 

Diesen Sommer sind mir nun schon zwei Lady’s ausgerutscht, doch ihr Sturz betrug jeweils nur wenige Meter. Trotzdem blieb mir jedes Mal das Herz stehen. Ria und Jane erlitten aber jeweils nur einige Schürfwunden und schon am nächsten Tag war ihnen vom Sturz nicht mehr viel anzumerken.

 

Sind die Kühe wohl auf, gehts den Älplern gut

Ja wir erleben viel mit unseren Lady’s, ich habe euch noch lange nicht alles erzählt was wir bisher mit ihnen durgestanden haben (Fehlgeburten, Hornverletzungen…). Doch nächstes Mal erzähle ich dann lieber wieder von den schönen Seiten. Ein Alpsommer bringt immer beides mit sich, schlechte und schöne Erlebnisse. Wir geben unser Bestes, dass möglichst wenig Schlechtes passiert, doch wir können nicht immer überall sein und alles verhindern. Je schlechter der letzte Sommer ausgefallen ist, desto mehr schätzen wir den diesjährigen BISHER gut verlaufenden und erfolgreichen Sommer mit unseren Lady’s.

 

 

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