12. August 2013, von Anne

Alltag kehrt ein

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

 

Schon wieder sind einige Wochen vergangen – dieser Alpsommer vergeht fast wie im Flug – und endlich ist der Alltag bei uns eingekehrt. Morgens melken, vormittags käsen (Anne) oder Kühe hirten (Markus), nachmittags Käsepflege, Haushalt, Garten (Anne) oder je nach Wetter so dies und das (Markus), abends wieder melken. Nach der Unruhe der letzten Wochen erlebe ich die Alltagsroutine als geradezu wohltuend und die kleinen Überraschungen, die uns durch die Tiere, das Wetter oder auch sonst wie beschert werden, reichen mir als Abwechslung vollkommen aus. Ein Beispiel:

 

Kuhgeschichten

Elfi, Fanta, Edera (v.l.)

Als ich heute Morgen in den Stall zum Melken kam, fand ich auf der einen Lägerseite, wo sonst die Rinder stehen und die derzeit leer ist, einen grossen Haufen Streue vor, der noch am Abend zuvor als ordentliches Bund in der Krippe gelegen hatte. Was war geschehen? Die Kuh Elma hatte sich nachts von ihrer Kette befreit und anscheinend einen neuen Schlafplatz gesucht, der jedoch erst noch gepolstert werden musste. Sie hat wohl die Streue auf die Hörner genommen und rings um sich verteilt. Als Markus am Morgen in den Stall kam, lag sie schön eingekuschelt mitten in dem Streuehaufen und guckte ihn mit unschuldigen Augen an. Selten habe ich am frühen Morgen so gelacht wie heute…

Überhaupt sind Kühe und Kälber für mich eine

Eibe

Herzensfreude und ein Seelentrost, denn Z´alpgehen kann auch ziemlich anstrengend für Leib und Seele sein… Wenn ich dann aber diese schönen runden Kühe sehe mit ihren wuschligen Ohren und stolzen Hörnern, die mich mit grossen Augen angucken und mir freundlich die Hand abschlecken, geht es mir gleich etwas besser. Auf der Rotmatt sömmern wir nur eigene Tiere der Rinderrasse Original Braunvieh, die bestens mit dem Gelände und Futter zurecht kommen. Quadratisch, praktisch, gut – das zeichnet auch diese Kühe aus, denn als Zweinutzungsrasse geben sie nicht nur gut Milch, sondern setzen auch ordentlich Fleisch an. So tummeln sich bei uns 25 grosse runde Kraftpakete, die im Umgang freundlich und im Verhalten zuverlässig und fleissig sind.

 

Käsearbeit

beim Käsewenden

Den Fleiss unserer Kühe merke ich seit Wochen im Kessi. Obwohl der Sommer fortschreitet, ist es immer noch gut gefüllt. 322 Liter waren es heute Morgen, das reichte für fünf Käselaibe. Seit zehn Tagen arbeite ich wieder allein am Kessi – Lorand schnuppert noch einige Wochen in einen grösseren Alpbetrieb hier im Muotatal hinein, bevor er nach Rumänien zurück reist. Es war eine spannende und lehrreiche Herausforderung, jemand anderem die Grundlagen des Käsens beizubringen, aber ich zweifle an meiner Eignung zum Lehrer. Mir fehlt es an Geduld und Milde – mein Perfektionismus machte auch vor dem Schüler nicht Halt, sorgt aber für schöne Käse im Keller. Dieser füllt sich zunehmend und die jungen Käse nehmen immer mehr Platz ein und verdrängen die restlichen alten vom Vorjahr, die wohl bald ins Tal zügeln müssen…

 

Liebe Leser, die Zeit im Tal läuft mir wie immer viel zu schnell davon. Denn die Alpgeschichten kann ich aus technischen Gründen leider nicht von der Alp erzählen, der Draht in die weite Welt liegt im Tal und das ist manchmal einfach zu weit weg. Daher lesen Sie von uns immer nur in grösseren Abständen. Ich bitte um Ihr Verständnis.

 

Eine schöne Woche wünscht Ihnen herzlich

 

Anne

 

 

 

 

Kategorien: Blog Hintere Rotmatt | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Nachdem ich jetzt eine Woche hauptsächlich Holsteiner und Angler gesehen habe, alle ohne Hörner, kommen mir die Fotos von euren Originalen vor wie die von Longhorns, da sehen die Köpfe irgendwie gleich viel wohlproportionierter aus.
    Ich hoffe, du kannst noch ein bisschen Alltagsgefühl und flauschige Ohren genießen, bevor der Sommer sich dem Ende neigt.

  2. Schön überhaupt etwas von Dir zu lesen, liebe Anne! Mit den Gedanken sind wir oft auf der Alp, kennen ja ein wenig den Rhytmus, der mit vieler schwerer, aber sehr befriedigender Arbeit verbunden ist. Ich freue mich immer ganz besonders über die Kuhgeschichten und dass Du diese Tiere so gern hast und das sie einen trösten können, glaube ich unbesehen.
    Ich wünsche Euch noch viel Freude auf der Alp, vor allem Kraft für den Endspurt. Eure Rose

  3. Liebe Lew, ja die Hörner machen viel aus so einer Kuh! Der Sommer ist hier nun endgültig vorbei – wir bibbern bei 4 Grad am Morgen. Zum Glück geben die Kühe warm. Nächste Woche ist Schnee bis auf 1000 Meter angekündigt. Mal gucken, ob es weiss wird bei uns. Herzlichen Dan für die schöne Urlaubskarte, über die ich mich sehr gefreut habe.

    Kühle Grüsse ins dicke B von deiner Anne

  4. Liebe Rose, herzlichen Dank für Grüsse, Wünsche und Gedanken. Nun geht auch dieser Alpsommer langsam zu Ende, doch das ist gut so, denn die Kräfte lassen doch nach. Und wo es jetzt so kalt geworden ist, reicht es nicht nur den Kühen langsam. Aber noch harren wir aus… Ich hoffe, bei Euch ist es wärmer und Du kannst die Fülle Deines Gartens geniessen.

    Herzlichen Grüsse von Anne