02. August 2013, von Corina

Ein Unfall kommt selten allein

Die Idylle trügt

 

 

 

BISHER gut verlaufend und unfallfrei, so konnte ich im letzten Text noch schreiben und jetzt? Noch am selben Tag startete unsere Unfallreihe, hoffen wir, sie geht bald zu Ende.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach vier Wochen Sonnenschein tropft es endlich wieder vom Himmel, doch leider etwas gar zu fest. 20 ml in kurzer Zeit. Unsere Lady’s haben wir des Regen wegen auf eine Weide nahe beim Stall getrieben. Keine Felsen oder Klippen, von denen sie herunterstürzen könnten. Eigentlich!? Als wir um ca. 15.00 Uhr unsere Ladys wieder in den Stall holen, umhüllt uns dicker Nebel, man sieht kaum drei Meter weit. Wir rufen in Richtung Weide. Die Glocken bimmeln, unsere Vierbeiner stehen auf und beginnen den kurzen Nachhauseweg, auf dem doch eigentlich nichts passieren kann. Dann plötzlich, Unruhe in der Herde, ein Glockengeschepper.

 

Mitten auf dieser Weide stürzte Talina

Es ist diese Art von Glockengeschepper, die jedem Hirten durch Mark und Bein geht, diese Art, die man am meisten fürchten, die den Küher Nachts ins Unterbewusstsein kriecht und jeden schönen Älplertraum zum Alptraum werden lässt. Kurze Stille. Ich laufe zu meinen Lady’s. Ein flaues Gefühl im Magen, der leichte Aufstieg fällt schwer…was erwartet mich?

Talina steht vor mir, ihr rechter Vorderfuss ist komisch nach aussen verdreht. Mit nichts kann ich sie dazu bewegen, weiter zu gehen. Ich hebe ihren Fuss an und mein Verdacht, den ich so lange zu verdrängen versucht habe, bestätigt sich. Die Schulter ist wohl gebrochen, das Bein hängt wie ein angerissener Ast am Rest des Körpers, als ob er gar nicht richtig dazu gehören würde. Talina wird nie mehr im Findelser Stall stehen, dieser Gedanke geht mir noch durch den Kopf.

Wir verständigen den Besitzer von Talina und den Tierarzt. Unsere arme Lady wird eingeschläfert, eine solche Verletzung ist unheilbar.

 

Kühe treiben mit gebrochenem Arm

Zwei Tage später, die Sonne scheint wieder. Mike (14), Reto’s Bruder, verbringt eine Woche Ferien bei uns. Ich laufe den Weg voraus, wir wollen heute auf eine weiter weg gelegene Weide. Mike und Hans lösen die Kühe im Stall, anschliessend wird Mike die Kühe mir entgegen treiben. Eine völlig harm- und gefahrlose Arbeit. Eigentlich!? Wie lange haben denn die heute zum auslassen?, denke ich mir noch. Erst zwei Kühe stehen auf dem Platz…plötzlich herrscht Stille im Stall. Eigentlich müsste ich Rufe und Glockengebimmel hören. Etwas stimmt doch da nicht. Endlich kommen meine Lady’s. Auf halben Weg sehe ich, dass Hans und nicht Mike mir die Kühe entgegen treibt. Mein Handy klingelt, Reto ruft mich an: “Mike hat sich die Hand gebrochen, wir brauchen einen Arzt!”. So schnell ich kann, renne ich zurück zum Stall, es ist 7.00 Uhr.

 

Kreidebleich sitzt Mike auf der Bank, er wollte einer Kuh hinterherjagen, die ausgebüxt ist und stürzte. Regula hat ihm den Arm mit unseren Käsebeschriftungen geschient (der Alpmeister wirds uns verzeihen). Reto telefoniert herum, um ein Fahrzeug zu organisieren. Gregor und Conny, zwei gute Bekannte von der Vättnerbergbahn, kommen uns zu Hilfe. Gregor fährt Mike und mich zur Bahnstation und Conny übergibt mir ihr Auto und organisiert den Notfall im Spital Walenstadt.

8.15 Uhr stehen Mike und ich in der Notfallaufnahme, beide stinken wir nach Stall und ein Portmonnaie habe ich auch keines im Sack, janu. Während dem Röntgen versucht Mike vergeblich, der Krankenschwester zu erklären, was das für Beschriftungen sind, mit denen wir ihm den Arm geschient haben. Je mehr er erklärt, desto grösser wird das Fragezeichen auf dem Gesicht der Schwester. “Was, ihr macht Käse auf der Alp? Ich wusste gar nicht, dass das geht. Meinen Käse kaufe ich immer in der Migros”. Mike verdreht die Augen, die hat ja gar keine Ahnung.

 

Wie lange die Schiene wohl sauber bleibt?

 

 

Gute Nachrichten, der Arm ist zwar gebrochen, doch wir müssen nicht operieren. So bekommt Mike eine Schiene und Schmerztabletten. Und nun? Nach Hause? Quatsch! “Ich kann auf der Alp auch rumsitzen und nichts tun, so wie zu Hause auch. Nur ist es auf der Alp viel interessanter!”

Kategorien: Blog Alp Findels | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Hallo Mike
    He ein solches Souvenier nimmt nicht jeder nach Hause von den Ferien….
    Und glaub mir, auf der Alp heilt der Arm viel besser.
    Wünsche dir gute Besserung.
    bis bald….
    Lg Jeannette

  2. dämfal mus ich glich numol uf dalp