09. August 2013, von Corina

Aus dem Leben eines “Stifts”

“Auch die Kühe werde nicht immer gehorchen”, wurde mir am Grabserberg gesagt, als ich den Kindergarten verliess.

Dies musste ich schon in den ersten Tagen spüren, doch unterdessen haben sich die Tiere an mich gewöhnt und ich kenne den Ruf, damit sie aufhorchen.

 

 

 

 

Im kommenden Artikel werde ich als Praktikantin, oder “Stift” (wie mich Reto nennt) meine ersten Eindrücke und Erlebnisse schildern.

 

 

Technisch-kompliziert, systematisch-organisiert

 

Die ersten Tage waren ziemlich anstrengend, da ich praktisch ohne Vorkenntnisse auf die Alp kam. Reto und Corina erklärten mir im Stall, in der Käsi, draussen und im Haus alles fein säuberlich. So viele Informationen gleichzeitig aufzunehmen, forderten mich geradezu heraus: Am Morgen wird das Milchgeschirr mit Säure gewaschen, am Abend nur mit heissem Wasser. Dieser Gummiring wird dort versorgt, das Rührwerk für’s Käse-Kessi kommt an jene Wand. Um die Käseformen zu putzen braucht es Lauge, für die Käsetücher RV 460 (was immer das auch ist).

Ebenso ist es im Stall: 70 Kühe – jede hat seinen Platz, doch nicht alle laufen direkt an ihren Richtigen. Eine Kuh ist fertig gemolken, wenn ihr Euter noch hart ist, eine andere gibt noch Milch, auch wenn das Euter sich leer anfühlt. Bis man hier den Durchblick hat, braucht man viel Übung und auch ein gutes Feingefühl. Doch meine Chefs unterstützen mich, beantworten geduldig meine Fragen und helfen mir, wenn ich rufe.

 

Tägliche Arbeit anstatt Fitness-Center

 

Was mir zu Beginn aufgefallen ist, sind die vielen neuen Bewegungsabläufe, die man bei der täglichen Arbeit auf der Alp vollbringt. Während ich das Käse-Kessi putze, stelle ich mir andere Leute vor, die für viel Geld ein Fitness-Center besuchen und sich an diesen Geräten ihre Muskeln stärken. Ich habe dies gratis und dazu noch tropische Klimaverhältnisse.

In den Fingern spürte ich plötzlich Muskeln, welche beim Melken aktiviert wurden und bisher geschlafen haben. Melk-Aggregate wechseln und anhängen geht für Rückengymnastik und das tägliche Kühe holen für’s Morgenjogging.

 

Naturschauspiele

 

Jeden Tag werde ich von Neuem überwälltigt, was sich draussen am Himmel abspielt. Das Erwachen des Tages, wie die Sonne aufgeht – ich kann mich kaum satt sehen.

Obwohl ich in einem Föhntal aufgewachsen bin, habe ich mich noch nicht an den starken Wind hier oben gewöhnt. Doch die Stimmungen, welche dann enstehen sind faszinierend.

Vom schlechten Wetter bin ich bisher fast verschont geblieben. Aber auch Nebel und Regen haben seine spannenden Seiten. So muss man beim Kühe holen im weissen Tuch ganz andere Sinne einschalten, als bei Sonnenschein.

 

Ich geniesse jeden Tag und wer weiss – vielleicht darf ich einige von euch LeserInnnen auch hier oben begrüssen.

 

 

 

 

Kategorien: Blog Alp Findels | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. Hallo Regula, spannend deine Eindrücke zu lesen! Wer weiss, vielleicht wirst du auch mit dem berühmtem Älpler-Virus geimpft, so dass du ohne Alpsommer fast nicht mehr sein kannst! Mein Mann ist ja ein Ex-Älpler und die ersten Sommer ohne z’Alp zu gehen, war schon etwas hart für ihn!
    Übringens freue ich mich auf den Besuch mit der Trachtengruppe bei euch!
    Bis dann! Gruss Heidi

  2. Hallo Regula
    Der arme Reto mit 2 Frauen auf der Alp……
    Ich beneide Dich sehr, denn jedes mal wenn ich die Alp wieder verlasse tut es mir weh im Herzen. Glaub mir ich würde unheimlich gerne mal einen Sommer da oben verbringen. Früh aufstehen wäre kein Problem, aber spät ins Bett, d.h. nach 20 Uhr wäre schon schlimm. Letztes Jahr als wir oft oben übernachtet haben, war ich schlimmer als Reto & Corina. Ich habe bei der Alpauffahrt Kuhglocken gehört wo noch gar keine waren. Ja s’Aelplerä kann süchtig machen.
    Ich wünsche Dir und Deinen Chef’s noch schöne Wochen.
    Gruss Jeannette

  3. Hallo Findelsteam

    Interessant sind Eure Berichte!
    Die Bergtour gestern und Eure Bewirtung waren ganz toll!
    Die Stücke Alpkäse werden mich noch eine Zeit lang an Eure Alp erinnern.
    Ich wünsche noch einen ganz guten Abschluss der Alpzeit 13.
    Reini

  4. Hallo Alpteam,
    Komme am 4.September auf die Alp Findels und suche
    im Brunnen nach chaltem Getränke, wir sind ca. zehn
    Leute. Bis dann machets guet.
    Gruss Dölf

  5. Morgen frühen Nachmittag komme ich mit 15 Pers.
    bei euch vorbei und möchten gerne etwas trinken und vielleicht auch essen. Käse habt ihr sicher.
    Gruss von Dölf