12. September 2013, von Anne

Alpsommerende

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

 

Kaum zu glauben, dass schon wieder fast vier Wochen herum sind. Wo bleibt nur die Zeit? Am wachsenden Käsevorrat sehe ich, dass dieser Alpsommer weit fortgeschritten ist. Und auch die Natur und vor allem Temperaturen verraten mir, dass sich unsere Alpzeit so langsam den Ende zuneigt. Doch es ist gut so, denn dieser Sommer war sehr gross (frei nach Rilke).

 

Erster Schnee auf dem Heubrig

Morgens bibbere ich bei vier Grad über Null zum Stall hinüber, zum Glück geben die Kühe warm beim Melken – sie strahlen grosse Wärme ab und an so einen weichen warmen Kuhbauch gelehnt, kann man noch ein klein wenig vor sich hin dösen, während die Melkmaschine ihr monotones Tack-Tack macht. Wussten Sie, dass auch manche Kühe während des Melkens vor sich hin dösen? Sie lehnen ihren Kopf samt Hörnern an die Stallwand vor sich, schliessen die Augen und machen wenig später ganz tiefe Atemzüge. Das berührt mich immer ein wenig, weil wir Menschen ja ganz ähnlich einschlafen. Und ist ein gute Rückmeldung für meine Melktechnik – denn wenn eine Kuh sich so entspannt, fühlt sie sich wohl und gibt schön Milch.

 

Und schön Milch geben sie, unsere braunen Damen.

Voller Keller

Auch zu Saisonende habe ich noch immer täglich über 300 Liter im Kessi. Grad heute morgen hat es für fünf schöne Laibe gereicht, die sich zu den anderen im Keller gesellen werden. Dort reifen inzwischen über 400 Laibe vor sich hin, zu viele, um sie noch alle von Hand zu pflegen. Seit einigen Wochen teilen Sebastian und ich uns die Käsepflege. Er schmiert die reifenden Käse zweimal in der Woche mit der Maschine, während ich die jungen Käse weiterhin von Hand anschmiere. Für seine Hilfe bin ich sehr dankbar, denn die Kellerarbeit in unserem Keller ist streng und meine Körperkräfte reichen da fast nicht aus. Danke, Sebastian!

 

Nun ist bald Mitte September und auch bei uns steht fast täglich die Frage im Raum: wie lange noch? Gras für die Kühe hätte es noch genug, um vierzehn Tage oben bleiben zu können. Doch das Wetter ist seit einigen Tagen sehr schlecht, grau, kalt, nass, und dadurch sind die Futterverluste durch Niedertrampeln hoch. Dann müssen wir spätestens Ende nächster Woche unsere Rinder zurückholen, so dass es mehr Tiere für immer weniger Futter gibt. Aber da ist ja auch noch der mühsam angelegte Heustock, von dem die Kühe schon jetzt jeden Morgen mit Vergnügen fressen. Also, lassen wir uns überraschen, wann unser Alpsommer 2013 tatsächlich zu Ende ist…

 

Mir wäre es ja recht, schon bald abzufahren, denn der Keller ist voller Käse, die Kräfte lassen nach und die Hütte ist bei der Kälte auch kein gemütlicher Ort mehr. Anfangs Sommer kann man es kaum erwarten, endlich wieder z´Alp zu ziehen, doch ab Ende August fange ich an, das Ende herbei zu sehnen. Denn wenn man so viele Wochen am Stück täglich arbeitet, sind die Batterien irgendwann leer und das Arbeiten wird verdammt mühsam. Aber nun auf dem Schlussspurt gilt das Motto: Zähne zusammen beissen und durchhalten!

(Und noch hat es ein paar leere Regale im Keller, die ich noch gerne füllen würde.)

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!

 

Herzliche Grüsse von Anne

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