22. Oktober 2013, von Corina

Die letzten Momente als Älpler auf Findels

Es ist schon eine Weile her, dass Kuhglockenkonzerte die Weiden von Findels verzauberten. Gämsen haben die saftigen Wiesen in Beschlag genommen und Ruhe ist eingekehrt. Wo sonst Senn Reto während der Arbeit der Schweiss von der Stirn tropfte, sind die Gebäudemauern erkaltet. Orano, Gitte, Ramira, Rekina, Wally, Erla, Arnika und alle ihre Gefährtinnen sind zurück auf ihren Talbetrieben. Auch wir sind wieder im Tal angekommen. Der Alltag hatte uns schnell wieder im Griff, was bleibt sind die unzähligen schönen Augenblicke, welche sich tief ins Älplerherz eingravieren. Hier einige unserer letzten Momente, die wir als Älpler auf der Alp Findels genossen haben.

 

 

Der letzte Alpsegen

Mit Unterstützung unserer Helfer bringen wir die Ladys ins Tal

Die Ladys werden angebunden...

...und fleissig geschmückt

Der wohl schönste...

...und traurigster Moment...

...von Senn und Küherin

Auf dem Weg nach Pfäfers

 

Damit ein Alpsommer gelingt, braucht es nicht nur ein gutes Alpteam, sondern auch viele fleissige Helfer. Unsere Familien haben uns vor, während und nach dem Alpsommer stark unterstützt und standen uns immer zur Seite, wenn wir Hilfte brauchten. Ohne sie und ohne unseren treuen Freunde wäre weder die bezaubernde Alpabfahrt, noch unsere Alpschweinmetzgete realisierbar gewesen. Wir möchten uns ganz herzlich bei ihnen bedanken! Und es freut uns, dass wir auch nächsten Sommer wieder mit ihrem Einsatz rechnen können.

 

Wir sagen tschüss und wünschen einen schönen Winter,

 

Alpteam ReCo mit Stift, Familien, Freunden und Helfer

 

 

 

Senn Reto

Stift Regula

Küherin Corina

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19. August 2013, von Corina

Am 7. September ist Alpabfahrt

Die Krönung eines jeden Alpsommers, der grösste Lohn für einen Älpler, eine Augenweide für jeden Zuschauer und der ganze Stolz des Alpteams: die Alpabfahrt!

 

Wohl an keinem anderen Anlass werden Kultur, Tradition, Leidenschaft, Nervenkitzel, Freude, Schönheit, Trauer und Heimweh so vereint, wie an einer Alpabfahrt.

Am 7. September werden wir mit unseren traumhaft schön geschmückten Lady’s ins Tal zurück kehren. Unser Zug startet am Stausee Mapragg und endet in Pfäfers. Genauere Zeiten werde ich sobald möglich durchgeben. Gönnt euch diesen Anlass, er wird euch verzaubern!

 

 

Damit auch alle Lady’s geschmückt werden können, brauchen wir grosse Mengen an Blumen für den Kopfschmuck und die Bauchgurten. Wenn es unter euch, liebe Leser, Hobby- oder Berufsgärtner gibt, die zu Hause auf einen farbenfrohen Blumengarten blicken können, so lasst diese Blumen nicht einfach verblühen, sondern bringt sie bitte bei uns vorbei!

 

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16. August 2013, von Corina

Die Ruhe kehrt ein

Nachwuchssenn Fabio beim Buttern

 

 

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu. Der letzte Ferienjunge, Mathias, kehrt nach Hause zurück. Und auch unsere Tage hier auf der Alp Findels werden immer weniger. Seit Anfang August käsen wir nur noch jeden zweiten Tag, für mehr reicht die Milch nicht mehr. Auf der Galtweide wird die Kuhherde immer grösser und im Stall stehen immer weniger Lady’s zum Melken.

 

 

 

Endlich schlafen

Unsere Helfer/Gäste beim Käsebrettli waschen

Von Anfang Juli bis letzte Woche hatten wir JEDEN Tag Gäste bei uns, für den Käseverkauf natürlich super, doch für unser Schlafmanko… Als dann endlich nach den grossen Ferien ein Nebeltag folgte, konnten wir unser Glück kaum fassen. Endlich können wir am Nachmittag mit gutem Gewissen ins Bett schlüpfen und die Augen schliessen. Doch zu früh gefreut. Natürlich kündigte sich noch ein Bestösser an, er möchte Käse abholen. 2 Tage später herrscht wieder dicker Nebel. Gott sei dank kennen unsere Lady’s den Heimweg so gut, sonst hätte ich morgens um 4 wirklich Mühe. Wir mussten nicht käsen an diesem Tag. So erledigten wir unsere Arbeit und kaum waren unsere Lady’s auf der Weide, der Stall gereinigt, das Frühstück gegessen und der Käse geschmiert, legten wir uns aufs Ohr. Bis Mittags schliefen wir, kurz haben wir was verspiessen und uns gleich wieder bis 15.00 Uhr hingelegt. Das tat so richtig gut und war Erholung pur für Körper und Kopf.

 

Das Futter einteilen

Bei Morgenrot gehts ab auf die Weide

Der sonnige Sommer hat leider auch Schattenseiten. Die Niederschläge bei uns waren wirklich sehr spärlich seit der Schönwetterperiode. Dies hat zur Folge, dass das Gras kaum oder gar nicht nachgewachsen ist. Nun haben wir alle Weiden einmal mit unseren Lady’s abgegrast. Jetzt zupfen unsere Vierbeiner noch zusammen, was noch da ist, doch das ist nicht mehr viel. Sie müssen noch nicht hungern, so schlimm ist es nicht. Doch wir müssen die Weiden, die uns noch bleiben, gut einteilen, um bis zum Schluss Futter auf den Wiesen zu haben.

 

Alpabfahrt

Ich glaube, es liegt im Älplerblut, dass ab Anfang/Mitte August hauptsächlich ein Thema diskutiert wird: unsere Alpabfahrt! Das Datum steht fest, jetzt müssen Helfer, Blumen, Helfer, Festwirtschaft, Helfer, Halftern und und und organisiert werden. Es kitzelt schon ein wenig und die schönen Erinnerungen an die letzte Alpabfahrt werden wieder und wieder erzählt.

 

Slow down

Stift und Chef holen zusammen den Käse aus dem Kessi

Unseren Stift Regula konnten wir noch nicht vertreiben ;-) sie ist eine echte Unterstützung ob im Stall, in der Käserei oder im Haus. Durch sie und die wachsende Zahl an Galtkühen kommen wir etwas zur Ruhe und ab nächster Woche dürfen wir morgens bis 4.00 Uhr ausschlafen, soooo schön! Teilweise räumen wir Zäune schon zusammen oder verrichten sonst Aufräumarbeiten. Wer weiss, vielleicht schaffen wir es dieses Jahr noch, unsere Nachbarn, die Alp Ladils, Alp Calvina und den Heubödeli Sepp zu besuchen.

 

 

Langsam aber sicher haben wir jetzt etwas mehr Zeit und nehmen es gemütlich, so, wie es auf der Alp eben sein soll.

 

Jeden zweiten Tag ein volles Kessi, einfach eine Augenweide

Der Käsekeller füllt sich und unsere Köstlichkeiten reifen in Ruhe vor sich hin

 

 

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09. August 2013, von Corina

Aus dem Leben eines “Stifts”

“Auch die Kühe werde nicht immer gehorchen”, wurde mir am Grabserberg gesagt, als ich den Kindergarten verliess.

Dies musste ich schon in den ersten Tagen spüren, doch unterdessen haben sich die Tiere an mich gewöhnt und ich kenne den Ruf, damit sie aufhorchen.

 

 

 

 

Im kommenden Artikel werde ich als Praktikantin, oder “Stift” (wie mich Reto nennt) meine ersten Eindrücke und Erlebnisse schildern.

 

 

Technisch-kompliziert, systematisch-organisiert

 

Die ersten Tage waren ziemlich anstrengend, da ich praktisch ohne Vorkenntnisse auf die Alp kam. Reto und Corina erklärten mir im Stall, in der Käsi, draussen und im Haus alles fein säuberlich. So viele Informationen gleichzeitig aufzunehmen, forderten mich geradezu heraus: Am Morgen wird das Milchgeschirr mit Säure gewaschen, am Abend nur mit heissem Wasser. Dieser Gummiring wird dort versorgt, das Rührwerk für’s Käse-Kessi kommt an jene Wand. Um die Käseformen zu putzen braucht es Lauge, für die Käsetücher RV 460 (was immer das auch ist).

Ebenso ist es im Stall: 70 Kühe – jede hat seinen Platz, doch nicht alle laufen direkt an ihren Richtigen. Eine Kuh ist fertig gemolken, wenn ihr Euter noch hart ist, eine andere gibt noch Milch, auch wenn das Euter sich leer anfühlt. Bis man hier den Durchblick hat, braucht man viel Übung und auch ein gutes Feingefühl. Doch meine Chefs unterstützen mich, beantworten geduldig meine Fragen und helfen mir, wenn ich rufe.

 

Tägliche Arbeit anstatt Fitness-Center

 

Was mir zu Beginn aufgefallen ist, sind die vielen neuen Bewegungsabläufe, die man bei der täglichen Arbeit auf der Alp vollbringt. Während ich das Käse-Kessi putze, stelle ich mir andere Leute vor, die für viel Geld ein Fitness-Center besuchen und sich an diesen Geräten ihre Muskeln stärken. Ich habe dies gratis und dazu noch tropische Klimaverhältnisse.

In den Fingern spürte ich plötzlich Muskeln, welche beim Melken aktiviert wurden und bisher geschlafen haben. Melk-Aggregate wechseln und anhängen geht für Rückengymnastik und das tägliche Kühe holen für’s Morgenjogging.

 

Naturschauspiele

 

Jeden Tag werde ich von Neuem überwälltigt, was sich draussen am Himmel abspielt. Das Erwachen des Tages, wie die Sonne aufgeht – ich kann mich kaum satt sehen.

Obwohl ich in einem Föhntal aufgewachsen bin, habe ich mich noch nicht an den starken Wind hier oben gewöhnt. Doch die Stimmungen, welche dann enstehen sind faszinierend.

Vom schlechten Wetter bin ich bisher fast verschont geblieben. Aber auch Nebel und Regen haben seine spannenden Seiten. So muss man beim Kühe holen im weissen Tuch ganz andere Sinne einschalten, als bei Sonnenschein.

 

Ich geniesse jeden Tag und wer weiss – vielleicht darf ich einige von euch LeserInnnen auch hier oben begrüssen.

 

 

 

 

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02. August 2013, von Corina

Ein Unfall kommt selten allein

Die Idylle trügt

 

 

 

BISHER gut verlaufend und unfallfrei, so konnte ich im letzten Text noch schreiben und jetzt? Noch am selben Tag startete unsere Unfallreihe, hoffen wir, sie geht bald zu Ende.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach vier Wochen Sonnenschein tropft es endlich wieder vom Himmel, doch leider etwas gar zu fest. 20 ml in kurzer Zeit. Unsere Lady’s haben wir des Regen wegen auf eine Weide nahe beim Stall getrieben. Keine Felsen oder Klippen, von denen sie herunterstürzen könnten. Eigentlich!? Als wir um ca. 15.00 Uhr unsere Ladys wieder in den Stall holen, umhüllt uns dicker Nebel, man sieht kaum drei Meter weit. Wir rufen in Richtung Weide. Die Glocken bimmeln, unsere Vierbeiner stehen auf und beginnen den kurzen Nachhauseweg, auf dem doch eigentlich nichts passieren kann. Dann plötzlich, Unruhe in der Herde, ein Glockengeschepper.

 

Mitten auf dieser Weide stürzte Talina

Es ist diese Art von Glockengeschepper, die jedem Hirten durch Mark und Bein geht, diese Art, die man am meisten fürchten, die den Küher Nachts ins Unterbewusstsein kriecht und jeden schönen Älplertraum zum Alptraum werden lässt. Kurze Stille. Ich laufe zu meinen Lady’s. Ein flaues Gefühl im Magen, der leichte Aufstieg fällt schwer…was erwartet mich?

Talina steht vor mir, ihr rechter Vorderfuss ist komisch nach aussen verdreht. Mit nichts kann ich sie dazu bewegen, weiter zu gehen. Ich hebe ihren Fuss an und mein Verdacht, den ich so lange zu verdrängen versucht habe, bestätigt sich. Die Schulter ist wohl gebrochen, das Bein hängt wie ein angerissener Ast am Rest des Körpers, als ob er gar nicht richtig dazu gehören würde. Talina wird nie mehr im Findelser Stall stehen, dieser Gedanke geht mir noch durch den Kopf.

Wir verständigen den Besitzer von Talina und den Tierarzt. Unsere arme Lady wird eingeschläfert, eine solche Verletzung ist unheilbar.

 

Kühe treiben mit gebrochenem Arm

Zwei Tage später, die Sonne scheint wieder. Mike (14), Reto’s Bruder, verbringt eine Woche Ferien bei uns. Ich laufe den Weg voraus, wir wollen heute auf eine weiter weg gelegene Weide. Mike und Hans lösen die Kühe im Stall, anschliessend wird Mike die Kühe mir entgegen treiben. Eine völlig harm- und gefahrlose Arbeit. Eigentlich!? Wie lange haben denn die heute zum auslassen?, denke ich mir noch. Erst zwei Kühe stehen auf dem Platz…plötzlich herrscht Stille im Stall. Eigentlich müsste ich Rufe und Glockengebimmel hören. Etwas stimmt doch da nicht. Endlich kommen meine Lady’s. Auf halben Weg sehe ich, dass Hans und nicht Mike mir die Kühe entgegen treibt. Mein Handy klingelt, Reto ruft mich an: “Mike hat sich die Hand gebrochen, wir brauchen einen Arzt!”. So schnell ich kann, renne ich zurück zum Stall, es ist 7.00 Uhr.

 

Kreidebleich sitzt Mike auf der Bank, er wollte einer Kuh hinterherjagen, die ausgebüxt ist und stürzte. Regula hat ihm den Arm mit unseren Käsebeschriftungen geschient (der Alpmeister wirds uns verzeihen). Reto telefoniert herum, um ein Fahrzeug zu organisieren. Gregor und Conny, zwei gute Bekannte von der Vättnerbergbahn, kommen uns zu Hilfe. Gregor fährt Mike und mich zur Bahnstation und Conny übergibt mir ihr Auto und organisiert den Notfall im Spital Walenstadt.

8.15 Uhr stehen Mike und ich in der Notfallaufnahme, beide stinken wir nach Stall und ein Portmonnaie habe ich auch keines im Sack, janu. Während dem Röntgen versucht Mike vergeblich, der Krankenschwester zu erklären, was das für Beschriftungen sind, mit denen wir ihm den Arm geschient haben. Je mehr er erklärt, desto grösser wird das Fragezeichen auf dem Gesicht der Schwester. “Was, ihr macht Käse auf der Alp? Ich wusste gar nicht, dass das geht. Meinen Käse kaufe ich immer in der Migros”. Mike verdreht die Augen, die hat ja gar keine Ahnung.

 

Wie lange die Schiene wohl sauber bleibt?

 

 

Gute Nachrichten, der Arm ist zwar gebrochen, doch wir müssen nicht operieren. So bekommt Mike eine Schiene und Schmerztabletten. Und nun? Nach Hause? Quatsch! “Ich kann auf der Alp auch rumsitzen und nichts tun, so wie zu Hause auch. Nur ist es auf der Alp viel interessanter!”

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