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15. Oktober 2013, von Anne

Alpabfahrt und Käsenote

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

 

Am 24. September war es dann auch bei uns soweit – der Tag der Alpabfahrt war gekommen.

 

Vier Tage zuvor hatten wir die Rinder von der höher gelegenen Rinderalp Lidernen geholt, so dass sich noch mehr Tiere das spärlich gewachsene Gras teilen mussten, das nun nur noch wenige Tage reichen konnte.

 

Alpabfahrt

Kuhreigen bei der Abfahrt

Und so machten sich an einem Dienstagnachmittag 24 Kühe und sieben Rinder auf den Weg ins Tal. Der Muni war schon zwei Tag zuvor im Wagen gefahren worden, weil er auf der Schwyzer Viehausstellung (23.09.) präsentiert werden sollte. Und die zwei Kälber und fusslahmen Kühe wurden noch am selben Tag per Wagen ins Tal chauffiert. Doch die meisten Tiere, unser Hund und natürlich wir selber nahmen den etwa zehn Kilometer langen Weg unter unsere eigenen Füsse und kamen pünktlich zum Abendmelken im Talbetrieb an. Ganz ohne Pannen, Verletzungen oder sonstige Versäumnisse… Die Kühe stürzten sich mit Heisshunger ins fette Gras, die Rinder zockelten noch ein weiteres Stück durchs Dorf auf eine andere Weide, wo auch sie ihr Nachtessen einnehmen konnten. Und wir? Atmeten wohl erst mal tief durch und nehmen so langsam von der Alp Abschied.

 

Wenn es dort oben leer und leise wird, ist die Alp kein vertrauter Ort mehr, sondern fast ein wenig unheimlich. Sie braucht uns Menschen nicht mehr, wir sind der sich in den Winterschlaf versenkenden Natur eher im Weg. Und doch gibt es noch allerhand zu tun dort oben: abzäunen, letzte Gülle ausbringen, Holzvorrat aufstocken, Ställe und Hütte winterfest machen, aufräumen usw. Bis die Schneemenge es nicht mehr zulässt, dass wir nach oben fahren können. Doch das dauert hoffentlich noch ein wenig.

 

Käsenote

Und was macht unser Käse? Die Laibe reifen im Keller vor sich hin, wobei die zunehmend kühlere Temperatur die Reifung verlangsamt, aber nicht stoppt. Und er scheint ganz gut geraten zu sein, denn bei der Alpkäseprämierung hier im Tal haben wir ein sehr gut mit 19,5 Punkten erhalten. Schön!

 

Unseren Käse stellen wir natürlich auch auf dem 18. Muotitaler Alpchäsmärcht am 26. und 27. Oktober hier im Tal vor. Sie sind herzlich zu diesem urchigen Anlass eingeladen! Wir freuen uns über Ihren Besuch. Mehr unter www.alpkaesemarkt.ch

 

Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Herbstzeit und melde mich noch einmal vor dem langen Winterschlaf.

 

Herzliche Grüsse

 

Anne

 

 

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12. September 2013, von Anne

Alpsommerende

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

 

Kaum zu glauben, dass schon wieder fast vier Wochen herum sind. Wo bleibt nur die Zeit? Am wachsenden Käsevorrat sehe ich, dass dieser Alpsommer weit fortgeschritten ist. Und auch die Natur und vor allem Temperaturen verraten mir, dass sich unsere Alpzeit so langsam den Ende zuneigt. Doch es ist gut so, denn dieser Sommer war sehr gross (frei nach Rilke).

 

Erster Schnee auf dem Heubrig

Morgens bibbere ich bei vier Grad über Null zum Stall hinüber, zum Glück geben die Kühe warm beim Melken – sie strahlen grosse Wärme ab und an so einen weichen warmen Kuhbauch gelehnt, kann man noch ein klein wenig vor sich hin dösen, während die Melkmaschine ihr monotones Tack-Tack macht. Wussten Sie, dass auch manche Kühe während des Melkens vor sich hin dösen? Sie lehnen ihren Kopf samt Hörnern an die Stallwand vor sich, schliessen die Augen und machen wenig später ganz tiefe Atemzüge. Das berührt mich immer ein wenig, weil wir Menschen ja ganz ähnlich einschlafen. Und ist ein gute Rückmeldung für meine Melktechnik – denn wenn eine Kuh sich so entspannt, fühlt sie sich wohl und gibt schön Milch.

 

Und schön Milch geben sie, unsere braunen Damen.

Voller Keller

Auch zu Saisonende habe ich noch immer täglich über 300 Liter im Kessi. Grad heute morgen hat es für fünf schöne Laibe gereicht, die sich zu den anderen im Keller gesellen werden. Dort reifen inzwischen über 400 Laibe vor sich hin, zu viele, um sie noch alle von Hand zu pflegen. Seit einigen Wochen teilen Sebastian und ich uns die Käsepflege. Er schmiert die reifenden Käse zweimal in der Woche mit der Maschine, während ich die jungen Käse weiterhin von Hand anschmiere. Für seine Hilfe bin ich sehr dankbar, denn die Kellerarbeit in unserem Keller ist streng und meine Körperkräfte reichen da fast nicht aus. Danke, Sebastian!

 

Nun ist bald Mitte September und auch bei uns steht fast täglich die Frage im Raum: wie lange noch? Gras für die Kühe hätte es noch genug, um vierzehn Tage oben bleiben zu können. Doch das Wetter ist seit einigen Tagen sehr schlecht, grau, kalt, nass, und dadurch sind die Futterverluste durch Niedertrampeln hoch. Dann müssen wir spätestens Ende nächster Woche unsere Rinder zurückholen, so dass es mehr Tiere für immer weniger Futter gibt. Aber da ist ja auch noch der mühsam angelegte Heustock, von dem die Kühe schon jetzt jeden Morgen mit Vergnügen fressen. Also, lassen wir uns überraschen, wann unser Alpsommer 2013 tatsächlich zu Ende ist…

 

Mir wäre es ja recht, schon bald abzufahren, denn der Keller ist voller Käse, die Kräfte lassen nach und die Hütte ist bei der Kälte auch kein gemütlicher Ort mehr. Anfangs Sommer kann man es kaum erwarten, endlich wieder z´Alp zu ziehen, doch ab Ende August fange ich an, das Ende herbei zu sehnen. Denn wenn man so viele Wochen am Stück täglich arbeitet, sind die Batterien irgendwann leer und das Arbeiten wird verdammt mühsam. Aber nun auf dem Schlussspurt gilt das Motto: Zähne zusammen beissen und durchhalten!

(Und noch hat es ein paar leere Regale im Keller, die ich noch gerne füllen würde.)

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!

 

Herzliche Grüsse von Anne

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12. August 2013, von Anne

Alltag kehrt ein

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

 

Schon wieder sind einige Wochen vergangen – dieser Alpsommer vergeht fast wie im Flug – und endlich ist der Alltag bei uns eingekehrt. Morgens melken, vormittags käsen (Anne) oder Kühe hirten (Markus), nachmittags Käsepflege, Haushalt, Garten (Anne) oder je nach Wetter so dies und das (Markus), abends wieder melken. Nach der Unruhe der letzten Wochen erlebe ich die Alltagsroutine als geradezu wohltuend und die kleinen Überraschungen, die uns durch die Tiere, das Wetter oder auch sonst wie beschert werden, reichen mir als Abwechslung vollkommen aus. Ein Beispiel:

 

Kuhgeschichten

Elfi, Fanta, Edera (v.l.)

Als ich heute Morgen in den Stall zum Melken kam, fand ich auf der einen Lägerseite, wo sonst die Rinder stehen und die derzeit leer ist, einen grossen Haufen Streue vor, der noch am Abend zuvor als ordentliches Bund in der Krippe gelegen hatte. Was war geschehen? Die Kuh Elma hatte sich nachts von ihrer Kette befreit und anscheinend einen neuen Schlafplatz gesucht, der jedoch erst noch gepolstert werden musste. Sie hat wohl die Streue auf die Hörner genommen und rings um sich verteilt. Als Markus am Morgen in den Stall kam, lag sie schön eingekuschelt mitten in dem Streuehaufen und guckte ihn mit unschuldigen Augen an. Selten habe ich am frühen Morgen so gelacht wie heute…

Überhaupt sind Kühe und Kälber für mich eine

Eibe

Herzensfreude und ein Seelentrost, denn Z´alpgehen kann auch ziemlich anstrengend für Leib und Seele sein… Wenn ich dann aber diese schönen runden Kühe sehe mit ihren wuschligen Ohren und stolzen Hörnern, die mich mit grossen Augen angucken und mir freundlich die Hand abschlecken, geht es mir gleich etwas besser. Auf der Rotmatt sömmern wir nur eigene Tiere der Rinderrasse Original Braunvieh, die bestens mit dem Gelände und Futter zurecht kommen. Quadratisch, praktisch, gut – das zeichnet auch diese Kühe aus, denn als Zweinutzungsrasse geben sie nicht nur gut Milch, sondern setzen auch ordentlich Fleisch an. So tummeln sich bei uns 25 grosse runde Kraftpakete, die im Umgang freundlich und im Verhalten zuverlässig und fleissig sind.

 

Käsearbeit

beim Käsewenden

Den Fleiss unserer Kühe merke ich seit Wochen im Kessi. Obwohl der Sommer fortschreitet, ist es immer noch gut gefüllt. 322 Liter waren es heute Morgen, das reichte für fünf Käselaibe. Seit zehn Tagen arbeite ich wieder allein am Kessi – Lorand schnuppert noch einige Wochen in einen grösseren Alpbetrieb hier im Muotatal hinein, bevor er nach Rumänien zurück reist. Es war eine spannende und lehrreiche Herausforderung, jemand anderem die Grundlagen des Käsens beizubringen, aber ich zweifle an meiner Eignung zum Lehrer. Mir fehlt es an Geduld und Milde – mein Perfektionismus machte auch vor dem Schüler nicht Halt, sorgt aber für schöne Käse im Keller. Dieser füllt sich zunehmend und die jungen Käse nehmen immer mehr Platz ein und verdrängen die restlichen alten vom Vorjahr, die wohl bald ins Tal zügeln müssen…

 

Liebe Leser, die Zeit im Tal läuft mir wie immer viel zu schnell davon. Denn die Alpgeschichten kann ich aus technischen Gründen leider nicht von der Alp erzählen, der Draht in die weite Welt liegt im Tal und das ist manchmal einfach zu weit weg. Daher lesen Sie von uns immer nur in grösseren Abständen. Ich bitte um Ihr Verständnis.

 

Eine schöne Woche wünscht Ihnen herzlich

 

Anne

 

 

 

 

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18. Juli 2013, von Anne

Alp-Alltag

Sonnenaufgang überm Pragelpass

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

 

Schon wieder sind vierzehn Tage vergangen – wo bleibt nur die Zeit? An der wachsenden Zahl der jungen Käselaibe kann ich sehen, dass auch dieser Alpsommer unaufhaltsam voranschreitet.  Und auch der Sonnenstand bei Sonnenaufgang verrät mir, dass bald die Hälfte der Alpzeit herum ist. Heute morgen ging die Sonne ein Stück rechts von der Pragepasshöhe auf – Anfang Alpzeit erscheint sie weit links davon entfernt und wandert im Laufe des Sommers von Morgen zu Morgen ein Stück weiter nach rechts, um irgendwann hinter der Twärenen zu verschwinden und später aufzugehen. Dann beginnen Markus und ich unser Tagwerk im Dunkeln. Doch bis dahin sind es noch einige Wochen und zur Zeit geht die Sonne auf, wenn ich in der Käserei beginne.

 

Wir sind zu Dritt

Derzeit haben wir eine sehr komfortable Situation – wir arbeiten seit Anfang Juli zu Dritt auf der Rotmatt. Diesen Monat hilft uns ein Praktikant, Lorand aus Siebenbürgen (Rumänien), der im Rahmen eines schweizerischen Landwirtschafts-Hilfsprojektes bei uns lernen will, wie Alpwirtschaft und Käsemachen funktionieren, um dann sein Wissen bei sich zu Hause einzusetzen und als Multiplikator zu agieren. Und weil Lorand auch melken lernt, habe ich melkfrei und kann morgens etwas länger schlafen – juchhu! Seit einer Woche unterstützt mich Lorand tatkräftig in der Käserei und übernimmt zunehmend mehr Fabrikationsschritte – ich werde wohl noch arbeitslos… Im Ernst, es ist gar nicht so einfach, einem anderen in so kurzer Zeit möglichst viel von dem beizubringen, was für guten Käse wichtig ist, noch dazu jemandem, für den Deutsch eine Fremdsprache ist. Aber wir machen gute Fortschritte und ich hoffe, Lorand kann eine Menge Wissen mitnehmen.

 

Heuen und Güllnen

Ansonsten haben wir das sonnige Wetter zum Heuen genutzt und alle Flächen auf der Alp, auf denen Heu gemacht wird, sind nun sauber gemäht, leer gerecht und das Heu trocken eingebracht. Wie das duftet! Es ist zwar eine ziemliche Schufterei (und nicht meine Lieblingsarbeit), aber wenn ich den vollen Heuschober sehe und im Winter die Fresslust unserer Kühe beobachten kann, dann freue ich mich auch und die schweisstreibende Arbeit ist vergessen.

Nach dem Heuen kommt das Güllnen – auf die Weiden, die von den Kühen abgefressen und die Flächen, die geheut wurden, wird bei entsprechender Witterung (nicht zu sonnig, Aussicht auf Regen – die Gülle soll erst antrocknen und die Nährstoffe später zu den Wurzeln gespült werden) Hofdünger ausgebracht. Dem geht ein Schwerarbeit voraus – der reife, nasse, schwere Mist muss Gabel für Gabel in der Güllegrube versenkt werden, wo er mittels Rührwerk mit der Jauche vermengt wird. Eine wahre Männerarbeit…

 

Weidepflege

Neben Heuen und Güllnen gibt uns auch die

Unsere Damen im jungen Gras

Weidepflege viel Arbeit, denn auf den Weiden wachsen nicht nur Milchkräuter, Gräser und Blumen, sondern auch Disteln, Farn, Blacken (Ampfer) und Alpenkreuzkraut. Und wenn wir diese nicht in Schach halten würden (mechanische und chemische Bekämpfung), hätten unsere Kühe irgendwann nichts mehr zu fressen, dass Kessi wäre leer und die Rotmatt würde verganden. Und weil wir das nicht wollen, bearbeiten wir im Laufe des Sommers hektarweise Weide: Disteln ausreissen, Farn abschneiden, Blacken und Kreuzkraut spritzen.

 

Zum Heuen, Güllnen und Weidepflegen kommen viele fleissige Helfer aus dem Tal auf die Rotmatt, ohne die all das gar nicht zu schaffen wäre. Herzlichen Dank an Euch alle!

 

Der Wetterbericht hat heute weitere sonnige Sommertage verkündet. Schön für meinen Garten, schlecht für den Käsekeller. Unser Naturkeller wärmt sich wie alles um ihn herum zunehmend auf. Noch ist der kritische Wert für die Käse nicht erreicht und ich versuche, die Nachtkühle zu nutzen, um die Kellertemperatur zu senken. Hoffentlich hilfts!

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit.

 

Herzliche Grüsse von

 

Anne

 

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04. Juli 2013, von Anne

Alperwachen

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

 

Vielleicht haben Sie sich schon gewundert, warum die Alp Hintere Rotmatt aus dem Muotathal so lange nichts von sich hören lässt. Seit dem Willkommensgruss im Mai (!) habe ich keine weitere Alpgeschichte erzählt und nun haben wir Anfang Juli…Warum diese lange Pause? Bis Ende Juni besuchte ich die Bäuerinnenschule in Pfäffikon und der Start in Alpsaison fiel leider mit der Prüfungsphase zusammen…

 

Letzter Schnee auf der Bucke (Güllegrube)

Liegt die Rotmatt denn noch im Winterschlaf? Nein, schon seit einigen Wochen nicht mehr. Auch wir waren vom langen schneereichen Winter betroffen und konnten erst eine Woche später als üblich, am 8. Juni auffahren. Bei sonnigem Wetter zügelten wir mit 27 Kühen, 8 Rindern und dem Hund nach oben. Der Fussmarsch vom Tal auf die Alp dauerte etwa zweieinhalb Stunden. 3 Kälber, der Stier, der Kater und 30 Schweine folgten später per Wagen.

 

Nun leben wir die vierte Woche oben und so langsam kehrt der Alltag ein. Die Kühe weiden inzwischen auf der vierten Parzelle und geben bisher gut Milch – das Kessi ist schön voll und der Keller beginnt sich mit neuen Käselaiben zu füllen.

Seit anderthalb Wochen bin ich auch wieder voll dabei und geniesse jeden Tag – nach Wochen des Lernens, der Bücher, des Inputs bin ich einfach nur froh, dass machen zu können, was ich am liebsten mache – Käsen. Die wichtigsten Handgriffe sitzen noch, Anderes kann aus der Erinnerung reaktiviert werden, Manches wird nochmal nachgelesen…

Bei meiner Lieblingsarbeit - Käseausziehen

 

In den nächsten Wochen werde ich dann fleissiger schreiben – die neue Alpsaison hat ja grade erst begonnen und der Stoff für Alpgeschichten ist in Hülle und Fülle vorhanden.

 

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende

 

Herzliche Grüsse

 

Anne

 

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